Rezensiert von
Fabienne Bonus
on 29.07.24 | Visit website ↗
"Fabienne Bonus has been working at the Videonale since 2020.
As exhibition assistant she supervised V.18 and since 2021 she is mostly responsible for the online video archive of the Videonale.
She studied art history in Düsseldorf, Cologne and Paris.
Insgesamt wurden sechs Werke bewertet.



Technische Überprüfung
Wie beurteilen Sie die Technik des Künstlers im Hinblick auf Farben, Formen, Textur und Größe sowie das verwendete Material, Medium und Verfahren?
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Im Allgemeinen sind die Werke gut ausgearbeitet. Die verwendeten Farben und die verwendeten Symbole verraten den surrealistischen Einfluss. Die Motive sind interessant, auch wenn sie nicht immer eindeutig benannt oder direkt mit einer Bedeutung versehen werden können.
Künstlerische Überprüfung
Was ist die Stärke des Portfolios?
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Im Allgemeinen sind die Werke gut ausgearbeitet. Die verwendeten Farben und die verwendeten Symbole verraten den surrealistischen Einfluss. Die Motive sind interessant, auch wenn sie nicht immer eindeutig benannt oder direkt mit einer Bedeutung versehen werden können.
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Wo sieht das Gutachter Verbesserungspotenzial?
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Was die Verbesserung angeht, denke ich, dass Sie sich auf weniger Serien konzentrieren und sich auf die wirklich überzeugenden konzentrieren sollten. Ich finde figurative Gemälde, die Historiengemälden ähneln, am interessantesten. Sie sollten diese Themen weiterentwickeln, um Ihre Bekanntheit zu steigern und Ihre Umsätze zu erhöhen. Sie sollten auch Brüche, Unvollkommenheiten oder gewagtere Experimente (Materialien, Formate, Erzählweise) einführen, um Ihre Arbeit noch überzeugender zu machen.
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Wem oder was können Sie folgen und studieren oder von wem oder was können Sie sich inspirieren lassen?
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Einige Arbeiten im Gesamtportfolio der Künstlerin erinnern an Max Ernst, weshalb dieser als Einfluss interessant sein könnte. Falls eine spielerische, aber zugleich düstere Herangehensweise an den Surrealismus die Künstlerin interessiert empfehle ich Leonora Carrington oder Leonor Fini.
Desweiteren könnten die folgenden ostdeutschen Künstler*innen einen Impuls geben: Gudrun Brüne, Neo Rauch, Arno Rink
Werbeüberprüfung
Wo sehen Sie den Künstler auf dem Kunstmarkt im Hinblick auf Publikum, Preisgestaltung und geschätztes Marktpotenzial?
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Ich sehe die Arbeiten der Künstlerin größtenteils im insitutionellen Rahmen bzw. in Ausstellungen, die sich mit den Gefühlen während der Coronapandemie oder modernen Interpretationen des Surrealismus beschäftigen. Für Privatpersonen, können persönliche Arbeiten auf Kommision interessant sein, in welchen die Künstlerin ihren eigenen surrealistischen Kosmos mit der Welt der Kund*innen in Verbindung bringt.
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Welchen Rat würden Sie diesem Künstler abschließend im Hinblick auf das Ziel dieser Rezension geben?
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Um auf das Hauptziel der Portfolio-Review zu antworten und die Umsetzung der surrealistischen Ideen in Bezug zum Weltgeschehen einzugehen, werde ich im Folgenden kurz die jeweiligen Arbeiten ansprechen.
Der Kindergeburtstag: Der Kontext dieses Gemäldes wird durch die Partydekorationen sowie die Torte im rechten unteren Bildrand klar. Die Striche an der Wand, welche die vergangenen Tage zählen, sowie die Platzierung des Tablets als Kommunikationsmittel, verweisen auf den Context der Coronapandemie. Nicht ganz deutlich wird die Bedeutung des Risses in der Wand im Hintergrund sowie die Platzierung des Buchs mit Fragezeichen auf dem Cover.
Verlorene Zeit: Die Zuordnung dieses Gemäldes in die Zeit während der Corona-Pandemie wird nur durch den positiven Coronatest wirklich sichtbar. Das Bild vermittelt dennoch das Gefühl der Traurigkeit und Einsamkeit, welches so viele während dieser Zeit empfunden haben. Durch das Hinzufügen der "Smiles to go", in Kombination mit dem Titel wird die Bedeutung klarer, jedoch erst vollständig durch den Begleittext begreiflich.
Der Selbstbewusste: Die surrealistische Bedeutung hinter diesem Bild hätte ich ohne den Begleittext nicht verstanden.
Die Offenbarung der Alten: Das Thema lässt sich durch die Darstellung der älteren Personen in Kombination mit den zwei jüngeren Männern, welche desinteressiert am Geschehen mit am Tisch sitzen (insbesondere durch den jungen Mann am Handy ausgedrückt) erkennbar. Die Haltung der Personen zueinander sowie das ausgerollte Papier verweisen auf die "Offenbarung". Unklar ist mir jedoch, warum der Großteil der Personen Zipfelmützen trägt und was es mit den Spiegeleiern in der Box auf sich hat.
Zu Besuch in der Fremde: Das Thema des "in der Fremde"/ "auf Reisen sein" und dabei zu versuchen alle Eindrücke einzufangen wird vermittelt. Die Platzierung in der Natur samt des zurückgeschobenen Vorhangs auf der linken Seite lassen die Szenerie es wie ein Bühnenbild wirken. Das Thema der Verträumtheit wird deutlich durch die maskenartigen Gesichter im Stein sowie der im Raum platzierten Masken.
Selbstportrait: Mir wurde erst durch die Beschreibung der Arbeit und das Entstehungsdatum klar, dass in dieser Arbeit die Corona-Pandemie thematisiert wird. Dennoch wird über die Symbolik des Sockels und die fortschreitende "Unbewegelichkeit" der Konflikt sichtbar, den die Künstlerin mit sich selbst verarbeitet/ verarbeiten musste. Die verschwommenen bzw. nicht ausgearbeiteten Gesichter verdeutlichen sehr gut, dass die Künstlerin sich beim mehrfachen Ansehen selbst nicht wiederzuerkennen scheint. Sie verliert stetig den Bezug zu ihrem eigenen Portrait und damit zu sich selbst.